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Weiß ist auch dabei


Weiße Katzen - vor allem die mit blauen Augen - sind wirklich der helle Wahnsinn, da man ihnen drei unterschiedliche Genotypen zuordnen kann. Erst durch Testverpaarungen kann man meist Rückschlüsse auf ihre genetische Erscheinung führen (ist es W_ ,cc oder sogar cscs-W_ ?). In diesem Teil möchte ich Ihnen alle Gene erläutern, die für das (zum Teil nur partielle) weiße Fell der Katzen verantwortlich sind; das sind nämlich die albinotische Pigmentierung {cs, ca und c}, das dominante "Überdeckungs-" Weiß {W}, das Inhibitor-Gen {I} die dominante Weißscheckung {S} und die weißen "Birma-Söckchen" {soB}.


1. Die albinotische Pigmentierung {c(s), c(a) und c}:


Eine Siamkatze ist eine teilalbinotische OKH, das wissen wir. Das bedeutet aber, dass die Siam einfach nur ein Orientale ist, dem "am Körper die Farbe fehlt" und deren Augenfarbe von Grün zu Blau verschoben ist. Der Orientale ist also dementsprechend kein Teil- oder Vollalbino und somit vollpigmentiert; Vollpigmentierung ist immer dominant gegenüber allen Albino-Varianten und erhält deshalb das große C in der genetischen Beschreibung. Die Siamzeichnung ist gegenüber dem Orientalen also rezessiv und erhält somit ein cS. Da jede Katze je ein Gen vom Vater und ein entsprechendes von der Mutter erhält, hat jede Katze an einem sogenannten Genort jeweils zwei Gene, die entweder die gleichen oder unterschiedliche Informationen tragen; das heißt also für OKH´s und Siamesen:


Das weiß jeder Siam-Züchter, na klar. Dass aber dieses Pigmentierungsgen nicht nur zwei unterschiedliche Möglichkeiten (Allele) besitzt, sondern insgesamt sogar fünf, ist manchen vielleicht neu. Wie sie hier anhand der Großschreibung sehen können, ist Vollpigmentierung C dominant gegenüber der Siamzeichnung cS, welche wiederum dominat gegenüber dem blauäugigem (ansonsten gesamt weißen Körper) Albino ca ist. Allem gegenüber rezessiv ist der rotäugige ( "echte" ) Albino c. Damit das ganze noch komplizierter ist, ist die Burma-Fellfarbe cb (relativ dunkel gefärbter Körper mit allerdings noch dunkleren Points). Das cb verhält sich intermediär zur Siamfarbe cs. Wenn eine Katze cbcs besitzt, dann ist es ein Tonkanese (der ist dunkler als ein Siamese, aber heller als ein Burmese).


Diese drei unterschiedlichen Rassen sind folgend skizziert (die Körperform wurde aus dem Grunde des Farbenvergleiches als gleich gewählt, Burmesen sind viel stämmiger, Tonkanesen etwas kräftiger als hier gezeichnet. Außerdem sind uns als "Hungerhakenliebhaber" OKH-ähnliche Körper am einfachsten zu zeichnen).


Für weiße Katzen gilt: Es gibt nämlich noch die Möglichkeiten des blauäugigen {ca} und des "normalen" Albinos mit rötlichen Augen (c). Die Siamzeichnung ist gegenüber den letztgenannten beiden Allelen dominant, während der rotäugige Albino gegen den blauäugigen rezessiv ist.


2. Das dominante "Überdeckungsweiß":
Dieses ist für alle Katzen-Leute eigentlich das wichtigste Gen, wenn man weiße Katzen haben möchte. Wie der von mir dreisterweise gegebene Name "Überdeckungs-" Weiß schon aussagt, wird die eigentliche Fellfarbe, die die Katze rein genetisch gesehen trägt, durch einen "weißen Mantel" überdeckt. Es ist also völlig egal, welche Farbe das Tier eigentlich hätte, sowie es ein dominantes W von mindestens einem Elternteil erhält, ist es weiß. Punkt aus. Also ist mindestens ein Elternteil ebenfalls weiß, während es bei dem oben beschriebenen blauäugigen Albino nicht der Fall sein muss (da das ca ja rezessiv ist !).


Bisher haben wir noch nicht über die Augenfarbe der hier erwähnten weißen Katzen gesprochen; da das aber sehr interessant ist, holen wir das jetzt nach. Gut, haben wir einen Orientalen mit grünen Augen, der einfach ein W hat, so ist er ein grünäugiger weißer Orientale; auf der anderen Seite hat eine Siam, die auch ein W hat, natürlich blaue Augen, also ist sie eine blauäugige weiße Siamkatze, nur diese darf eigentlich den Namen Foreign White tragen (denn sie ist eine Siam !). Was machen aber mit den Odd-Eyed-Tieren (ein blaues und ein grünes Auge oder ein blaues und ein orange-farbenes) ?  Schwierige Frage. Da ich das aber hier angesprochen habe, muss ich die Suppe auch auslöffeln und es Ihnen erklären. Das Weißgen W bewirkt nicht nur, dass dem gesamten Fell der Farbstoff fehlt (deshalb ist das Fell ja auch weiß, sondern es kann auch auf die Augenfarbe einwirken. Es kann, es muss aber nicht !  Während das W das Fell weiß macht, kann es jede Augenfarbe in Blau abändern, aber wie bei der Tortie-Farbverteilung ist auch dieses nicht planbar. Das W kann nämlich beide oder aber wie bei der Odd-Eyed auch nur ein Auge "blau machen" ( falls Sie das hier nicht verstehen, greifen Sie doch zur Flasche, die wiederum Sie "blau macht" ). Mit anderen Worten kann auch eine Orientalisch Kurzhaar mit normalerweise grünen Augen auf einmal durch das W ein weißes Fell und blaue Augen bekommen !  Dieser weiße Orientale mit blauen Augen darf sich aber rein formal nicht Foreign White nennen, da eine Foreign White eine Siam ist und kein Orientale !  Denn verpaart man eine Foreign White mit einer Siam, so sind alle Jungtiere entweder Siam oder weiß, aber niemals ein andersfarbiger Orientale. Verpaart man aber einen blauäugigen weißen Orientalen mit einer Siam, so können beispielsweise auch Ebonys oder Havanas geboren werden.


3. Das Inhibitor-Gen {I}:
Sie fragen sich bestimmt, was hat das Inhibitor-Gen, also die Silber- oder Smoke-Farbe mit den weißen Katzen zu tun. Recht haben Sie, eigentlich gar nichts !  Aber wenn Sie auf einer Katzenausstellung beispielsweise schon ´mal eine Perser Chinchilla gesehen haben sollten, dann sieht diese Katze fast weiß aus. Oder auch eine Shaded-Silber ist sehr hell, eine Silver-Tabby ist schon dunkler, und eine Smoke ziemlich dunkel. Dennoch, für alle diese Erscheinungen ist das Inhibitor-Gen I verantwortlich, das dominant gegenüber dem Nicht-Inhibitor i ist. Da es hier nur die zwei Allele "Silber" oder "Nicht-Silber" gibt, brauche ich gar nicht weiter darüber zu sprechen und gehe ganz geschwind im Sause-Schritt zum vorletzten der fünf Weißgene.


as Inhibitor-Gen kann wie in dem Bild oben mehrere unterschiedliche Aussehensmöglichkeiten haben. Aber Achtung: jede Golden-Farbe (Golden-Tabby, Golden-Chinchilla usw.) ist keine Inhibitor-Farbe, auch wenn man es denken könnte !  Golden ist eigentlich eine nicht ganz durchgefärbte "normale" Farbe...


4. Die dominante Weißscheckung {S}:


Wie Sie anhand des Namens schon erkennen können sind alle Weißgene (bis auf das albinotische Albino-Gen) dominant. So auch die Weiß-Scheckung S, während nicht-weißgescheckte Tiere zweimal das s besitzen. Wie bei der Tortie ist auch hier nicht möglich zu sagen, wieviel weiß und wo die Jungtiere es haben werden, bevor sie geboren werden; allerdings sagt man, dass eine Katze, die zweimal das S trägt, wesentlich mehr weiß besitzt als eine mit nur einem S.


Im Prinzip könnte ich diesen Artikel jetzt hier beenden, aber eines möchte ich an dieser Stelle noch erwähnen. Die Verpaarung von einem Silver- (oder Smoke, also einem Inhibitor-Tier) mit einem weißgescheckten Tier ist in fast keinem Katzenverein Deutschlands erlaubt (eine Ausnahme bilden die Maine Coons, aber bei denen ist ja eh´ alles erlaubt - was Farben angeht, natürlich nur) !  Jetzt fragen Sie sich vielleicht: " Warum ? "
Ja, das kann ich verstehen, denn das fragte ich mich damals auch, aber es ist eigentlich ganz einfach. Ein Tier, das mindestens ein Inhibitor-Gen trägt, zeigt es auch, da es dominant ist. Nur, trägt ein weißgeschecktes ein oder zwei Inhibitor-Gene I, so muss es das dann nicht unbedingt zeigen; deshalb war es lange Zeit  verboten, "da man nun einmal ein dominantes Gen sehen muss" !
Allerdings wird ist heute in Standards einiger Organisationen erlaubt, da ein Verein wegen der Vielzahl an Katzenvereinen konkurrenzfähig sein und es somit anerkennen muss. Ansonsten besteht die Gefahr, dass Mitglieder einen Verein verlassen und sich einem anschließen, der eh' alles toleriert... (Siehe hierzu auch unsere Gedanken im Ordner "Gedankengänge" ! )


Erwähnt werden sollte außerdem, dass man ähnlich wie bei der Tortie-Zeichnung auch die Farbverteilung der Weißscheckung nicht beeinflussen kann, so dass man ganz unterschiedliche Schecken erhalten kann. Normalerweise ordnet man diese Tiere acht Stufen (Nr. 2 bis Nr. 9, siehe auch [M1]) des sogenannten "Piebald-Spotting" zu - welches die Weißscheckung bildet - zwischen völlig farbig (Nr. 1) und völlig weiß (Nr. 10). Auffallend ist, dass meist der Bauch, der Hals und das Kinn weiß sind.


Für bi-colour-farbene Katzen gilt folgendes: Das Weiß soll 1/3 bis 1/2 der gesamten Körperfarbe ausmachen - ohne die Beine, die sind zu 100 % weiß (wie Nr. 5) -, außerdem soll es, wie es im Bild auf der folgenden Seite gezeigt ( "Holländer-Zeichnung" ) ist, angeordnet sein. Die bi-colour-farbene Katze soll ähnlich dem "Holländer-Kaninchen" gezeichnet sein. Im Gegensatz zum Kaninchen, welches im geraden "Strich" getrennt vorne Weiß ist und ein dunkel gefärbtes Hinterteil und Hinterläufe hat, sollen bei den Katzen "nur" der Rücken, die Flanken und der Schwanz dunkel sein, während Beine und Bauch weiß sein sollen. Der Kopf soll je zur Hälfte dunkel und weiß sein, wobei das Kinn hell sein soll und ein umgekehrtes und vor allem symmetrisches "V" auf der Nase bildet, wobei die Augen im dunklen Bereich liegen sollen. Die Ohren sind auch dunkel gefärbt. Ebenfalls ist es wichtig, dass sich keine weißen Stichelhaare "im Dunklen" bzw. keine farbigen Haare im Weiß befinden, die Flecken sollen alle klar abgegrenzt sein. Auch sogenannte "rostige" Stellen (gelbliches Kinn, After, Pfoten) sind genau wie Geisterzeichnung ein Fehler. Im folgenden Bild ist diese gewünschte Zeichnung skizziert.


Natürlich muss auch erwähnt werden, dass nur die allerwenigsten Tiere eine solche Farbverteilung haben, wie sie oben skizziert ist. Dennoch ist es auch für alle bi-colour ein "Muss", dass das Weiß wenigstens zur Hälfte bzw. höchstens zu zwei Dritteln vorhanden ist, außer bei Harlequin- bzw. Van-Katzen. Die sogenannte Harlequin-Farbe (im ersten Bild die  Nummer 8, da sind 1/6 dunkel und 5/6 weiß, eigentlich sind nur Ohren und Schwanz dunkel sowie ein bzw. zwei Flecken auf dem Rücken, der Bauch muss rein-weiß sein !) ist wie die Van-Zeichnung (Nummer 9 in der ersten Abbildung, diese Farbe ist aber nur bei der Türkisch Van und bei den Perserkatzen erwünscht !) bei den meisten Rassen nicht erlaubt.


Eine Anmerkung sei an dieser Stelle erlaubt: seit dem Juni 2003 hat die älteste Katzen-Organisation der Welt - die GCCF - den Standard bei bi-colour gefärbten Peserkatzen in so weit geändert, dass keine Unterscheidungen mehr zwischen Bi-Colour, Harlequin oder Van gibt. Alle fallen in eine einzige Klasse (Bi-Colour), womit es auf GCCF-Ausstellungen beispielsweise auch nur noch ein einziges CAC gibt !


5. Das weiße "Söckchen-Gen" {soB}:


Die halblanghaarige Birma-Katze unterscheidet sich von anderen langhaarigen Maskenkatzen (Balinese, Perser Colour-Point und Sibirische Katze mit Point-Zeichnung, die häufig als „Neva Masquerade" bezeichnet wird, obwohl in keinem international anerkannten Standard dieser Name irgendwo erwähnt wird) nicht nur durch das „römische Profil" sondern vor allem durch die weißen Pfoten. Neben der Birma besitzt außerdem noch die nach diesem Merkmal benannte "Snow Shoe" diese Füße.
Durch die Experimental-Zucht von Frau Hackmann, die Perser mit Birma verpaarte, konnte man herausfinden, dass die "weißen Söckchen" nicht durch das dominante Weißscheckungsgen S bestimmt wird, sondern durch ein anderes, welches sich rezessiv verhält. Dieses Gen wird an dieser Stelle mit soB bezeichnet.


Da die Färbung der Füße bei den Birmakatzen als ein besonderes Merkmal gilt, ist es auch sehr wichtig, wie diese vier weißen Stiefel gefärbt sind: Die Handschuhe und Sporen sind absolut rein weiß. Vorne sollen die "weißen Söckchen" sollen einheitlich sein; das Weiß kann an der Zehenwurzel oder am Gelenk enden. An den Hinterbeinen läuft es an der Sohle zu einer Spitze aus ( das sind die sogenannten "Sporen", ein umgekehrtes, möglichst symmetrisches, keilförmiges "V" ). Die idealen weißen Sporen sollen zwischen der Hälfte und zwei Drittel der Entfernung zwischen den Fußballen und dem Gelenk der Hinterpfoten enden. Sie sollten das Gelenk nicht erreichen, auf keinen Fall sollen sie über das Gelenk hinausgehen.


Wie bereits erwähnt, gibt es diese "Söckchen und Sporen" eigentlich nur bei Birmakatzen und bei den Snow-Shoes. Da es rassetypische Merkmale sind, sind die ersten Blicke aller Richter und Züchter auf die "Haxen" gerichtet...

 

Wer mehr über die Vererbungslehre wissen möchte, in dem über 300 Seiten dicken Buch "Rassekatzen - klasse Katzen", ISBN:  978-3-7357-7489-7 wird dies alles detailiert beschrieben.

 
Hier wird anschaulich die Genetik erklärt, ferner gibt es eine Übersicht und Beschreibung über sämtliche, derzeit anerkannten Katzenrassen, sowie eine Auflistung, mit welchen geplanten Züchtungen man in den nächsten Jahren rechnen kann. 
 
 
Außerdem geht 100% des Autorengewinns an den Katzenschutz der Katzenfreunde Norddeutschland e. V. - denn aktiver Katzenschutz und seriöse Katzenzucht schließen sich nicht gegenseitig aus!

Und hier kann man sich zeigen lassen, welche Jungtiere bei bestimmten Eltern geboren werden können (Genetischer Farbrechner).
Wählen Sie bitte dazu die entsprechenden Felder für die Eltern aus und warten Sie, bis die Berechnung beendet ist (solange unten "Berechnen" steht, ist noch NICHT fertig, da insgesamt 13.824 Möglichkeiten durch kalkuliert werden).