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Rot & Tortie:


Nachdem die Genetik der Grundfarben erklärt wurde, ist es notwendig, dass auch die roten Katzen bzw. die Tortie-Tiere erklärt werden. An dieser Stelle muss man klar darstellen, dass die Farbe Rot und deren Verdünnung - das Creme - nicht zu den Grundfarben dazugehören, sondern etwas vollkommen verschiedenes sind. So ist es also eine falsche Behauptung, dass eine Abessinier sorrel-rot sei. Die Farbe Sorrel ist genetisch Zimtbraun, also Cinnamon - und das ist eine Farbe der Grundfarben. Genetisch rote Abessinier kommen aus der Verpaarung mit Tortie-Katzen und sind sehr, sehr selten.


(Man kann eigentlich sagen, dass es sie gar nicht gibt !  Daher unsere Bitte: sprecht nicht von "roten" Aby's, wenn Ihr sorrel-farbene meint !  Danke.
Genauso sind wildfarbene Abessinier genetisch schwarz !  Eigentlich gibt es auch keine chocolate oder lilac Abessinier, sondern nur wildfarbene = schwarze, blaue, sorrel-farbene = zimtbraune und fawn...)


Rot unterliegt auch nicht dem dominant-rezessiven Erbgang, sondern dem intermediären. Damit das Ganze noch komplizierter wird, ist dieser Erbgang auch zusätzlich noch geschlechtsgebunden. In der Literatur werden häufig schwarze Katzen mit Roten gekreuzt, um die Tortie-Farbe zu erklären. An dieser Stelle wird dieses aber nicht getan, hier wird von den roten Farben (rot und creme) und den "Un-roten" (nicht "Schwarze", weil alle sechs Grundfarben gemeint sind) gesprochen, um Unkorrektheiten gar nicht erst aufkommen zulassen.


Das Interessante an der Tortie- oder Schildpatt-Fellfarbe ist neben dem kontrastreichen Aussehen die Tatsache, dass diese Farbe nur bei weiblichen Tieren auftritt. (Ganz, ganz selten kommen vereinzelt Tortie-Kater vor, aber die sind 'ne genetische Sensation !) Im Volksmund werden die Tortie-Katzen, deren Farbverteilung von jeder Katze zu einer anderen unterschiedlich ist, als "Glückskatzen" bezeichnet. Dadurch, dass sich das dominante Rot-Gen an einem anderen Genort als die sechs Grundfarben befindet, ist es möglich, dass das Rot-Gen Ox die anderen Farben quasi überdeckt und die Katze dann völlig rot ist. Der Genort des Rot-Genes ist zufälligerweise auf dem weiblichen x-Chromosom. Das Auftreten der Tortie-Farbe ist nun so zu erklären, dass bei einer weiblichen Katze, die wie jedes Weibchen zwei x-Chromosomen besitzt, ein Rot-Gen die Information "rot" und das andere die Information "un-rot" trägt; daher gibt es im Fell Partien, die rot und andere die Un-rot sind. Bei Katern ist es nun relativ einfach zu erklären, dass sie (eigentlich) gar nicht schildpatt sein können, da sie nur ein x-Chromosom besitzen, das entweder die Information "rot" oder "un-rot" tragen kann; auf dem männlichen Y-Chromosom, welches nur ein Kater (in einfacher Ausführung) besitzt, befindet sich nämlich (normalerweise) keine Farbinformation.


Bei der Verpaarung von Tortie- und / oder roten (creme) Tieren kann man immer wieder Überraschungen erleben; deshalb werden die "Törtchen" im Züchter-Jargon auch als "Wundertüten" bezeichnet. Aber es gibt natürlich auch hier Gesetzmäßigkeiten. Verpaart man beispielsweise einen un-roten Kater mit einem Tortie-Mädel, werden rote und un-rote Katerchen sowie un-rote und Tortie-Mädchen fallen, aber keine (vollständig) roten Mädels !


(Anmerkung: O(X) bedeutet, dass das Rot-Gen, dessen Genort sich auf dem x-Chromosom befindet, die Information "Rot" trägt; o(X) heißt, dass das Rot-Gen die Information "Un-Rot" besitzt. Y heißt, dass es sich um das männliche Y-Chromosom handelt, auf welchem sich keine Farbinformation befindet. Im Gegensatz zur allgemeinen Literatur wird daher hier der Index "x" zur Kennzeichnung des Genortes verwendet.)


Auf der anderen Seite gibt es folgenden interessanten Fall: kreuzt man zum Beispiel einen roten Kater mit einer un-roten Kätzin (auch kein Tortie also !), so sind alle "Jungs" un-rot, alle "Mädels" aber schildpatt; also sieht kein Junge wie sein Vater und auch kein Mädchen wie seine Mutter aus !


Wie Sie auch hier erkennen können, werden auch hier keine roten Mädchen geboren. Aus diesem Grunde verpaaren wir als letztes Beispiel eine schildpatt Katze mit einem roten Kater. Bei dieser Kreuzung werden wir dann endlich unsere roten Mädchen bekommen, wetten?


Und jetzt haben wir endlich unsere roten Mädchen !  


Das bedeutet also:
Der Vater eines roten Mädchens ist ebenfalls immer rot (oder rot verdünnt - also creme ) !
Auf die Kreuzung zweier roten Tiere wird an dieser Stelle verzichtet, denn da sind alle Jungtiere (ob nun Mädel oder Bub) rot bzw. creme; genauso trivial ist der Fall der Kreuzung zweier un-roten Tiere, da sind alle Nachkommen ebenfalls un-rot (also auch kein Tortie).


Wie Sie erkennen können, sind speziell die Tortie-Katzen sehr, sehr interessant, zumal man bei der Zucht von eben diesen Tieren die Farbverteilung (also zu viel oder zu wenig rot / creme, groß- oder kleinflächige Flecken, "Flamme" im Gesicht usw.) nicht beeinflussen kann. Auf der andern Seite weiß man oft bei roten Tieren überhaupt nicht, wie ihr Genotyp aussieht, da alle Informationen vom Rot überdeckt sind.


Wie ein Tortie-Jungtier aussehen wird, das wissen vor der Geburt nur die Engel im Himmel !

 

Wer mehr über die Vererbungslehre wissen möchte, in dem über 300 Seiten dicken Buch "Rassekatzen - klasse Katzen", ISBN:  978-3-7357-7489-7 wird dies alles detailiert beschrieben.

 
Hier wird anschaulich die Genetik erklärt, ferner gibt es eine Übersicht und Beschreibung über sämtliche, derzeit anerkannten Katzenrassen, sowie eine Auflistung, mit welchen geplanten Züchtungen man in den nächsten Jahren rechnen kann. 
 
 
Außerdem geht 100% des Autorengewinns an den Katzenschutz der Katzenfreunde Norddeutschland e. V. - denn aktiver Katzenschutz und seriöse Katzenzucht schließen sich nicht gegenseitig aus!

Und hier kann man sich zeigen lassen, welche Jungtiere bei bestimmten Eltern geboren werden können (Genetischer Farbrechner).
Wählen Sie bitte dazu die entsprechenden Felder für die Eltern aus und warten Sie, bis die Berechnung beendet ist (solange unten "Berechnen" steht, ist noch NICHT fertig, da insgesamt 13.824 Möglichkeiten durch kalkuliert werden).