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Übers das gemeine Züchtervolk hat sich bereits im Jahre 1995, Chris mit seiner Schwester Gedanken gemacht und auch die ein oder andere bittere Erfahrung


Lizenz zum Züchten
von Petra Danker und Christoph Riedel, 1995


Auch auf die Gefahr hin, dass wir es uns mit diesem Artikel mit vielen langjährigen, "erfahrenen Züchtern" verscherzen, so ist dieser Bericht unserer Meinung nach unumgänglich. Ob viele Leute uns nach diesem Artikel nicht mehr leiden können, es ist uns egal - nicht egal sind uns die armen Gebärmaschinen, ausgezehrte, verhungerte und kranke Zuchtkatzen, von denen es leider viel zu viele gibt... Seit vier Jahren führen wir innerhalb unseres Katzenvereines Wurf- und Zwingerbegehungen durch, kennen somit viele Züchter, bei denen man sagen kann, sie haben einen ganz tollen Zwinger. Seitdem wir aber Richter bzw. Richterschüler sind, ist unsere Meinung auch bei Vereinsfremden gefragt. Da wir eigentlich sehr verträglich und hilfsbereit sind, fahren wir wegen auftretender Fragen zu diesen Leuten und versuchen, Ihnen zu helfen. Tja, wir fuhren somit ohne jegliche Bedenken zu diesen Personen und waren erschreckt. Es ist eigentlich natürlich, dass Mitglieder eines Vereines mit Zwingerbegehungen einen korrekten, gepflegten Zwinger haben. Entsetzt waren wir aber bei anderen: weit über fünfzig Prozent, derjenigen, die wir gesehen haben, müssten per Gesetz als "Züchter" verboten werden !  Der Begriff "raffgieriger Vermehrer" träfe eher zu.
Es herrschen katastrophale Zustände !

"A-Wurf" vom Klosterbusch

Herr Heinz Kellner schlug im "Katzen Echo" vor, einen "Führerschein" für Katzenzüchter einzuführen. Wir fordern sogar eine solche Lizenz. Diese sollte aber nicht durch einen Verein allein eingeführt werden, sondern müsste vom Gesetzgeber vorgeschrieben werden. So ist es beispielsweise für jeden, der Sittiche oder Papageien züchtet, Vorschrift, sich einem Befähigungsnachweis zu unterziehen - auch wenn seine Henne nur ein einziges Mal Eier ausbrütet !  In dem Tierseuchengesetz (§ 61d 1) steht: "(...) Züchter und Händler haben die Tiere mit Fußringen zu kennzeichnen (...)." Diese Fußringe gibt es laut der Psittakose-Verordnung für jeden Züchter vom Zentralverband nur, wenn eine Genehmigung vorliegt; diese "(...) wird erteilt, wenn der Antragsteller die für die Haltung und Pflege der Tiere erforderliche Zuverlässigkeit und Sachkunde besitzt und wenn die erforderlichen Räumlichkeiten vorhanden sind, in denen im Falle des Auftretens von Psittakose eine wirksame Seuchenbekämpfung möglich ist. Die Genehmigung kann widerrufen werden, wenn die Voraussetzungen (...) nicht mehr erfüllt sind.(...)" Desweiteren muss der Züchter bzw. Händler seine Wohnung einem Kontrollgremium zeigen. Das Tierseuchengesetz §61d 2 besagt: "Der beamtete Tierarzt ist befugt, Grundstücke und Räume, in denen Papageien und Sittiche gehalten werden, zu betreten, um (...) die Tiere zu untersuchen und ihre Unterbringung zu überprüfen. (...) Der Besitzer und sein Vertreter sind verpflichtet, die Besichtigung und Untersuchung zu dulden. Das Grundrecht der Unverletzlichkeit der Wohnung (Artikel 13 des Grundgesetzes) wird insoweit eingeschränkt." Bei Verletzung dieser Anordnungen drohen schwere Strafen, nur so kann man gegen gewissenlose Vermehrer, die sich selbst Züchter nennen, wehren. Es gibt viel, viel mehr "schwarze Schafe", als wir ahnen !  Bei Katzen könnte man die Fußringe durch Ahnentafeln ersetzen, das heißt, nur derjenige, der die folgend beschriebenen Anforderungen erfüllt, darf Stammbäume für seine Jungtiere erhalten, alle anderen nicht !  Somit kann man einzig und alleine die sogenannten "Hinterhof-Züchter" reduzieren (siehe die kaputt-"gezüchtete" Mode-Hunderasse Golden Retriever).

Nofretete's Anatol, Abessinier-Var. wildfarben

Deshalb fordern wir für jeden Züchter eine Zuchtgenehmigung, dabei ist es einerlei, um welche Tierart es sich handelt (Katzen, Hunde, Vögel, Kaninchen usw.), die folgende Punkte erfüllt:


1.) Wissensnachweis und Zuchtziel
2.) Lokale Gegebenheiten
3.) Finanzielle Möglichkeiten
4.) Zuchttauglichkeit jeder Katze
5.) Ärztliche Untersuchung aller Tiere
6.) Besitzverhältnisse.


Lassen Sie uns unsere Forderungen etwas genauer spezifizieren, damit Sie verstehen können, was mit den einzelnen Punkten gemeint ist.
Zu 1.) Wissensnachweis und Zuchtziel:
Jeder, der bei einem Gremium, das über allen Vereinen steht, einen Zwinger-namen beantragt, sollte analog zu den "Sittich- und Papageien-Menschen" einen Test über Haltung, Pflege (besonders während der Trächtigkeit und während der Säugezeit) und auch über Genetik ablegen. Er sollte ferner über die häufigsten Krankheiten (Übertragung und Behandlung) Bescheid wissen. Vor der Verpaarung sollte er darüber hinaus das Ziel seiner Zucht darlegen.
Zu 2.) Lokale Gegebenheiten:
Jeder, der einen Zwingernamen beantragt, sollte über seine Wohnung Auskunft geben. Es müsste genügend Platz vorhanden sein, so dass der Quotient aus Katzenanzahl zu Grundfläche einen bestimmen Wert nicht übersteigt. Außerdem muss zu jeder Zeit ein Zimmer vorhanden sein, um ein eventuell krankes Tier separieren zu können (ein Badezimmer oder eine Küche kann diesen Zweck ja wohl nicht erfüllen, oder würden Sie gerne in Küchen- oder Toilettenausdünstungen Ihr Krankenlager aufschlagen ?). Eigentlich müsste sowieso immer ein "Krankenzimmer" schon von Hause aus vorhanden sein, denn im Tierseuchengesetz § 9 steht (und das gilt für alle Tiere, nicht nur für Sittiche und Papageien, sondern auch für Katzen): "Bricht eine (...) Seuche aus oder zeigen sich Erscheinungen, die den Ausbruch einer solchen Seuche befürchten lassen, so hat der Besitzer der betroffenen Tiere unverzüglich der zuständigen Behörde oder dem beamteten Tierarzt Anzeige zu machen und verdächtige Tiere von Orten, an deren die Gefahr der Ansteckung fremder Tiere besteht, fernzuhalten." Allerdings muss ein permanentes Separieren beispielsweise von potenten Zuchtkatern wegen der "Markierungsgefahr" strikt verboten
werden !  Wechselt ein Züchter seinen Wohnsitz, so müsste er unverzüglich seinen Verein über die neuen Gegebenheiten informieren. Denn dann sind ja neue Voraussetzungen gegeben, und es heißt ja in § 61d 2 Tierseuchengesetz: "Die Genehmigung kann widerrufen werden, wenn die Voraussetzungen (...) nicht mehr erfüllt sind."

Aldio von Panthera, Perser blue-white

Zu 3.) Finanzielle Möglichkeiten:
Katzenzucht ist ein Hobby. Und ein Hobby kostet Geld. Jeder Hobbyzüchter kann also in der Regel mit Katzenzucht kein Geld verdienen. Er muss auch jeder Zeit damit rechnen, dass seine Tiere krank werden können. Beispielsweise kann die Operation eines Katzenbeinbruches 1.000,- DM kosten (Folgekosten durch Tierarztbesuche und Medikamente nicht eingerechnet). Aus diesem Grunde müsste jeder Züchter in einem geregelten Arbeitsverhältnis stehen oder ein gewisses Kapital vorweisen können. Nur ohne solche Auflagen ist es zu erklären, dass bei vielen (zwei Zigarettenpackungen pro Tag rauchenden) Sozialhilfe-empfängern Geld für neue Katzen (zum Teil sogar aus dem Ausland) und (ebenfalls zum Teil weit entfernte) Katzenausstellungen vorhanden ist, sie aber mit todkranken Jungtieren nicht zum Nottierarzt gehen können, da kein Geld vorhanden ist und der Nottierarzt "ja nicht anschreibt" - also keinen Kredit gewährt... !!?
Zu 4.) Zuchttauglichkeit und Kontrolle jeder Katze:
Jeder Zwinger sollte regelmäßig kontrolliert werden (Zwingerbegehungen), bei denen auf artspezifische Anforderungen geachtet werden sollte (bei Katzen Anzahl von Liegeplätzen, Kratzmöglichkeiten, Katzentoiletten, Futternäpfe usw.), desweiteren sollten verstörte Tiere in einem Zwinger das Kontrollgremium mißtrauisch machen. Außerdem sollte jeder Wurf abgenommen werden, ob die Jungtiere artgerecht großgezogen werden. Ferner dürfte nur jede Katze, die auf einer Ausstellung eine Zuchttauglichkeit erhalten hat, für die Zucht eingesetzt werden. Dazu sollte man die Richter noch einmal darauf hinweisen, bei gesundheitlich bedenklichen bzw. bei auffälligen Anomalien die Zuchttauglichkeit ohne wenn und aber zu verweigern. Auch ungepflegte Katzen sollten niemals ein für die Zucht benötigtes "Vorzüglich" erhalten, denn wenn Tiere schon auf einer Schönheitskonkurrenz ungepflegt sind, wie soll es dann erst im Zwinger aussehen...?  Gegen Ende dieses Berichtes erklären wir das Verhältnis der Richter zu den Vereinen auf Ausstellungen noch etwas genauer, da oft nur Richter eingeladen werden, bei denen man "problemlos seine Titel erhält"...

Amanda von der Alte Weide, Balinese lilac-tabby-point

Zu 5.) Ärztliche Untersuchung aller Tiere:
Jede Katze, mit der gezüchtet werden soll, müsste von einem Tierarzt untersucht werden. Nur dadurch kann man die Gefahr von genetischen Defekten, die von einem Richter zum Teil gar nicht erkannt werden können, auf ein Minimum reduzieren. Beispielsweise müssten die Tiere auf Deformationen der Organe und des Skelettes hin untersucht werden, HD- und PRA-Untersuchungen sollten Pflicht sein. Auch sollte ausgeschlossen werden, dass ein Tier ein ständiger Katzenschnupfen-Ausscheider sein kann. Denn obwohl man gegen den Katzenschnupfen impft, können sich die Tiere infizieren; das liegt daran, dass nur gegen drei von insgesamt sechsundzwanzig unterschiedlichen Erregern geimpft wird. Mit anderen Worten: dreiundzwanzig verschiedene Katzenschnupfenviren können ohne Gegenwehr auch in den geimpften Organismus eindringen !  (Wer ständig behauptet, "gegen Schnupfen könne man impfen lassen, da könne ja nichts passieren", muss wohl geistig minderbemittelt sein, so dass man zusätzlich noch fordern müsste, jeder Züchter benötige einen IQ, der mindestens 75 beträgt... aber das wird man wohl nie und nimmer durchsetzen können...)
Und noch etwas: wer erzählt, an Schnupfen stürbe keine Katze, der weiß entweder nicht, wovon er redet, er ist dumm oder er ist kriminell und deklariert den Schnupfen zu einem Kavaliersdelikt. Das ist er aber nicht ! Der Katzenschnupfen kann genauso gefährlich sein wie Feline Interfectiöse Peritonitis (FIP). Muss man den Schnupfen nicht ebenfalls als Seuche ansehen, den man nach dem oben beschriebenen § 9 des Tierseuchengesetzes zu bekämpfen hat ? Das heißt, wer Katzen, die mit Schnupfen infiziert sind, öffentlich ausstellt, gefährdet andere Tiere. Deshalb fordern wir, dass jedes Tier im Zwinger (also auch Kastraten) gegen die häufigsten Krankheiten geimpft werden müssten.
Bei jedem Züchter sollten sämtliche im Bestand lebend Katzen gegen Katzenseuche, -schnupfen, Chlamydien, Tollwut und Leukose geimpft werden. Wenn es der Veterinärmedizin gelingen sollte, den FIP-Virus vom "normalen" Corona-Virus getrennt nachweisen zu können und die Impfung eine Sicherheit von über 90 % gewährleistet, sollte die Liste der geforderten Impfungen durch die gegen FIP ergänzt werden.
Zu 6.) Besitzverhältnisse:
Mit diesem Punkt meinen wir nicht, dass jeder der züchtet, beispielsweise ein Auto besitzen müsste (auch wenn dieses vorteilhaft wäre). Nein, damit meinen wir, wem wie lange die Katze und gehört. (Sittich- und Papageien-Züchter müssen darüber Buch führen und dieses bei Verlangen des Kontrollgremiums sofort vorlegen.) Dieses ist einzig und alleine zum Schutz einer Zuchtkatze gedacht. Denn es ist keine Seltenheit, dass ein beispielsweise vier Jahre altes Zuchttier im Besitz vom vierten (!) Katzenzüchter ist. So etwas muss aufhören !  Denkt irgend jemand daran, dass das Tier eine Seele hat und vielleicht an seinem Besitzer hängt ?  Bestimmt nicht !  Es ist verständlich, dass ein Jungtier vom Züchter verkauft wird und dass ein anderer Züchter dieses kauft. Ein Weiterverkauf dieses Tieres aber müsste ebenfalls vom Gesetzgeber untersagt werden - zumindest müsste dieses Tier in die dritte Hand nur kastriert abgegeben werden dürfen.
Mitterlerweile hat sich nämlich leider auch in Deutschland das aus den Vereinigen Staaten kommende "Cat-Leasing" durchgesetzt. Und wie einiges, was von der anderen Seite des Atlantiks kommt, ist auch dieses absolut schrecklich. Nicht, dass Sie jetzt denken, wir hätten etwas gegen Amerika, ganz und gar nicht, es ist eins der schönsten Länder der Welt, wir verbringen gerne unseren Urlaub dort (unter anderem weil die Menschen sehr nett und gastfreundlich sind), aber einige Ideen von drüben sind nichts anderes als hirnrissig und ausbeuterisch. Wie auch das "Cat-Leasing". Das bedeutet nämlich, ich kaufe / oder züchte selbst eine Katze und vermiete sie wie ein lebloses Auto für ein halbes Jahr an einen Züchter, der diese Katze als Stammmutter benutzt (der Vorteil: alle seine Tiere tragen nur seinen eigenen Zwingernamen !). Nach diesem halben Jahr wird die Katze weggegeben und an einen anderen Züchter vermietet, der dann wieder nur Jungtiere mit seinem eigenen Zwingernamen besitzt. Danach kommt die Katze zum nächsten Züchter usw. usw.. Ein solches "Cat-Leasing" ist in unseren Augen schlicht und ergreifend kriminell den Tieren gegenüber und müsste schwer bestraft werden. Wer so etwas moralisch Verwerfliches mit unschuldigen Tieren durchführen kann, kann sich auch Menschen gegenüber nur asozial verhalten !!! Desweiteren findet man ab und zu in Zoohandlungen Tiere mit Papieren, die also in einem Verein gezüchtet worden sind. Ein Verkauf von Tieren an gewerbliche Zoogeschäfte müsste ebenfalls verboten und bei Verstoß empfindlich bestraft werden. In der Fifth Avenue in New York City soll es ein Geschäft geben, in dem Katzenzüchter ihre "überschüssigen" Jungtiere verkaufen, die dann in der Zoohandlung mit Papieren (!) an Liebhaber weiterverkauft werden sollen...

Monique von der Märkischen Heide, Perser black-tortie

Unserer Meinung nach müsste jeder Züchter die oben beschriebenen Anforderungen erfüllen, ein Abweichen auch nur von einem Punkt müsste hart bestraft werden. Heutzutage sind wir leider in der Katzenzucht an einem Punkt angekommen, der nicht mehr tragbar ist. Es ist nicht verwunderlich, dass in Hessen die Zucht weißer Katzen verboten worden ist. Warum ?  Na klar, weil Amtstierärzte den Zustand nicht mehr ansehen konnten. Wir  geben zu, wir hielten dieses Verbot für überzogen und sehr dumm, allerdings haben es die "Vermehrer" aufgrund ihres Verhaltens provoziert. Denn nicht weiße Katzen sind das Problem, das es zu bekämpfen gilt, es sind auch nicht Nacktkatzen oder die mit dem Letalfaktor behafteten Faltohren- bzw. schwanzlosen Katzen. Nein, das einzige Problem sind geldgierige, selbstliebende Züchter, die nur Erfolg für sich selbst und ihren Zwingernamen und vorallem viel Profit haben wollen.
Wir meckern gegen billige Schwarzzuchtimporte aus den Ostblockstaaten, da diese krank und verseucht seien, aber bei vielen "seriösen Hobbyzüchtern" ist es nicht besser. Durch eine Aufrechterhaltung der freien Zuchtrichtlinien der einzelnen Vereine machen wir uns doch nur unglaubwürdig !  Schmecken einem Züchter die Auflagen seines Vereines nicht, so tritt dieser in einen anderen ein - oder gründet mit sechs weiteren "Betroffenen" einen eigenen Club, der keinerlei Auflagen innerhalb der Zucht erhebt. So gibt es doch viele Vereine, denen es einzig und alleine um das Geld geht, in denen beispielsweise Voll-geschwisterverpaarungen ohne irgendwelche Anträge oder Erklärungen toleriert und akzeptiert werden, wenn Hauptsache nur das Geld pünktlich und in angemessener Höhe gezahlt wird. Genauso gibt es ja auch Clubs, in denen man ohne Zuchttauglichkeit agieren kann, bzw. bei denen man für eine gewisse Summe sich beispielsweise auch "Best-in-Show"itel kaufen kann... (Anmerkung: das sind vorallem die Vereine, bei deren Ausstellungen der in sich selbst überflüssige Titel "Best-in-Show, nominiert für Best-of-Best" jeweils einmal pro Haarkategorie und Ausstellung auftauchen kann... Aber diesen Titel bekommt ja auch nur derjenige, der nicht bereit war, für ein "Best-of-Best" zu zahlen... Deshalb bekommt er es ja auch nicht !)

"Sammy-Jo" Assie von der Alten Weide und ihre Tochter Anabel-Ly of Fuzzy Kitten

Ohne eine Einführung eines Zuchtbefähigungs-Nachweises per Gesetz kann die Allgemeinnützigkeit aller Katzenclubs doch nur als eine Farce angesehen werden. Stimmen Sie als seriöser Züchter ebenfalls zu unserem Begehren; es ist nur zum Schutz unserer geliebten Tiere. Wir haben nichts gegen die Zucht - im Gegenteil wir lieben die gezielte Aufrechterhaltung bzw. Einführung bestimmter Faktoren. Wir lieben auch Katzenaustellungen, allerdings müssten bei vielen die Verhältnisse geändert werden. Hier sind besonders die Richter gefragt, die bei Verstoß gegen die Punkte Gesundheit und Pflege eine Zuchttauglichkeit verweigern müssten. Aber nicht nur die Richter - auch die Vereine sind gefordert. Denn leider ist es schon oft vorgekommen, dass ein Richter, der des öfteren Titel aus berechtigten Gründen einbehält, in Zukunft nicht mehr eingeladen werden, da sich "betroffene" Austeller beim ausrichtenden Verein übelst beschweren. Aus diesem Grunde werden Ausstellungen auch zur Farce, wenn Titel nicht einbehalten werden dürfen.
Vielleicht sind viele unserer Gedanken nur eine Phantasterei, weil vieles wegen des Kostenfaktores nur schwer realisierbar ist. Aber durch eigene Erfahrung wissen wir, dass beispielsweise Wurfabnahmen und Zwingerbegehungen alleine sehr viel bringen. Natürlich gehen nur seriöse Züchter, die nichts zu verbergen haben, freiwillig in einen solchen Club, wenn aber alle zu Wurfabnahmen und Zwingerbegehungen verpflichtet werden würden, wären sie bestimmt aufgrund der Angst vor Bestrafung korrekt in Pflege- und Haltungszuständen. Unserer Meinung nach brächte eine solche, oben beschriebene Lizenz im Gegensatz zum Verbot bestimmter Rassen oder Farben noch viel mehr zum Wohle der Tiere.

Nofretete's Black-Velvet, Somali wildfarben

Auch wenn sich diese Zeilen hier zu einem "Rundumschlag" gegen viele "erfolgreiche Züchter" ausgeweitet haben, möchten wir betonen, dass wir bestimmt keine "Meckerköpfe" sind und nicht mit erhobenen Zeigefinger dastehen wollen. Wir haben nur Mitgefühl mit den armen Tieren, die nur von gewissenlosen Menschen mißbraucht werden. Wir können es einfach nicht mehr mitansehen, wenn ein fiebriges, fellspreitzendes Kätzchen hilfesuchend auf unseren Schoß kommt und uns mit seinen traurigen Augen anschaut, nur weil der Besitzer das Geld für eine Ausstellung spart, anstatt sofort mit den kranken Tieren zum Arzt zu fahren. Das bricht einem das Herz !  Nur wegen der Tiere nehmen wir es sogar in Kauf, mit diesem Artikel vielleicht den letzten "Freund" in der Katzenszene verloren zu haben; wir hoffen nur, dass viele Züchter so denken wie wir, damit die Zustände, die derzeitig vorhanden sind, geändert werden können. Einer alleine schafft die Reformen nicht. Und wenn alle, die mit der Tierzucht vertraut sind, still bleiben, keine konstruktiven Veränderungsvorschläge darlegen, gibt es irgend etwas anderes Unsinniges wie das Verbot der weißen Katzen "von oben" - von Politikern, die sehen, dass in der Katzenzucht nur wenig in Ordnung ist, nicht aber wissen, wogegen sie etwas tun müssen. Erst wenn sie etwas beschließen, wie beispielsweise das Verbot bestimmter Varietäten, dann steht plötzlich kein Mund mehr still, und alle regen sich auf !!!


© Copyright by Petra Danker / Christoph Riedel 1995





Lizenz zum Besitzen
Fortsetzung der "Lizenz zum Züchten"
von Petra Danker und Christoph Riedel, 1997


In unserem Artikel "Lizenz zum Züchten" haben wir Ihnen unsere Gedanken über die Tierzucht dargelegt. Allerdings war dieser Artikel nicht ganz vollständig, und je mehr man über dieses "heikle" Thema nachdenkt und mit "Gleichgesinnten" diskutiert, um so mehr fällt einem auf, dass unsere Forderungen ergänzungswürdig sind. So müßten sich unsere Ausführungen nicht nur auf Zuchttiere beziehen, sondern müßten theoretisch auch bei einem einzelnen Liebhabertier (egal ob Rassekatze oder Hauskatze, Rassehund oder Mischling) angewandt werden. Es wäre fatal und ungerecht, sich nur über die "bösen Züchter" aufzuregen, wenn die "nette Familie von Nebenan" zur Urlaubszeit ihr "heißgeliebtes Schoßhündchen" am Laternenpfahl anbindet oder das "Kuschel-kätzchen in die Freiheit entläßt"...


Ein ganz entscheidender Punkt, der bisher in unserer "ersten Lizenz" fehlte, ist dieser:


7.) Eindeutige Identität jedes Tieres.


Auch dieses Mal werden wir - analog zu den ersten sechs Punkten der "Lizenz zum Züchten" - unsere siebte Forderung genauer spezifizieren.


Zu 7.) Eindeutige Identität jedes Tieres:


Es gibt viele Züchter, die beispielsweise mehrere Zuchtkater der gleichen Rasse und Farbe besitzen. Ein Tier davon könnte zum Beispiel ein Europa-Champion sein und der andere - natürlich gleicher Rasse/Farbe - beispielsweise ein Tier, welches auf einer Ausstellung niemals eine Zuchttauglichkeit bekommen würde. Falls dieser Euro.-Champ.-Kater dann kastriert wird (vielleicht sogar nach vielen Jahren "harter Arbeit in Liebhaberhände abgegeben" wird), ist es einfach, den Stammbaum des Europa-Champions vorzulegen, in Wirklichkeit deckt aber der fehlerhafte Kater...
Dazu eine ähnliche Geschichte; ein "nettes" Beispiel, das sich wirklich ereignet hat: ein Züchter kauft sich eine Katze namens A. Aus dem ersten Wurf behält er sich eine Tochter gleicher Farbe mit dem Namen B. Leider hat B einen zuchtaus-schließenden Defekt. Was macht unser schlauer Züchter ?  Er stellt einfach Katze A aus - natürlich unter dem Namen von Katze B. So bekommt Katze B ihre Zuchttauglichkeit - und obendrein geht "seine Nachzucht" noch auf die Bühne. Wären beide Tiere individuell gekennzeichnet gewesen, wäre ein solcher Betrug nicht möglich gewesen !
Es ist nämlich sehr schwierig, jemandem nachzuweisen, dass ein Tier ein ganz anderes ist, als auf dem Stammbaum steht - wenn Rasse/Farbe/Geschlecht übereinstimmen.

Daquiri vom Klosterbusch (Mandarin fawn-spotted-tabby, links) und Belouisa o Fuzzy Kitten (OKH chocolate-spotted-tabby, rechts)

Ein ziemlich einfaches Mittel wäre die Verpflichtung, jedes im Haushalt lebende Tier mit einem Mikrochip zu versehen; es wäre sowieso vorteilhaft, falls ein Tier einmal weglaufen sollte bzw. es gestohlen werden sollte. Auch wäre ihr verkauftes Jungtier ziemlich sicher, bei den nächsten Schulferien nicht ausgesetzt zu werden. Eine Tätowierung im Ohr kann relativ simpel entfernt werden, bei einem Mikrochip ist das schon aufwendiger und - vorallem - teurer !
Theoretisch könnte beispielsweise ein Russisch-Blau-Züchter, der mit 12 Russisch-Blau-Katzen züchtet und Ausstellungen besucht, nur eine einzige impfen lassen. Denn wer weiß bei Einlaßkontrollen denn schon, ob Katze A auch wirklich Katze A ist - und nicht etwa Katze B, C, D...
Es ist natürlich selbstverständlich, dass die Identitätsnummer des Mikrochips dann auch wirklich sowohl im Impfpaß als auch auf dem Stammbaum vermerkt ist !
Jetzt gibt es bestimmt wieder Leute, die sagen: "Wer soll denn das alles bezahlen können ?"  Darauf können wir nur eine Gegenfrage stellen: "Wie erklären Sie einem Liebhaber, dass der Kaufpreis zum Beispiel für ein Bengal-Kätzchen von 3.000,- bis 3.500,- gerechtfertigt ist, wenn der Züchter nicht bereit ist, ungefähr 100,- DM für einen Mikrochip auszugeben ?"
Die meisten Tierarztpraxen und sämtliche Tierheime verfügen heute über ein Mikrochip-Lesegerät. Daher wäre es sicherlich auch machbar, dass sich Katzenvereine ein solches Gerät (oder mehre) anschaffen könnten. So könnte bei Einlaßkontrollen, Zwingerbegehungen, Wurfabnahmen usw. jedem Tier sein eigener Impfpaß und Stammbaum zugeordnet werden !
Auch würde eine eindeutige Identifizierung verhindern, dass eine Katze heute ihre Babies bei Züchter X bekommt, und zwei Monate später gehört sie dann urplötzlich Züchter Y, bekommt dort ihre Babies und wandert dann vielleicht zu Züchter Z... Solche Transaktionen fallen sonst höchstens aufmerksamen Lesern von Katzenzeitschriften auf, in denen die Wurfmeldungen verschiedener Vereine veröffentlicht werden. Denn jeder Besitzwechsel müßte so dem Verein gemeldet werden (siehe auch Besitz-Transfer beim FIFE-Verein 1. DEKZV; diese Foderung hatten wir ja bereits in Punkt 6 unserer "Lizenz zum Züchten" gestellt).
Je mehr man sich mit Vereinen und Verbänden auseinandersetzt, desto häufiger finden wir ansatzweise einige Punkte unserer "Lizenz zum Züchten" erfüllt. Um einige Beispiele zu nennen: beim Regional-Verband Deutscher Edelkatzenzüchter (RVDE) benötigt man eine "V"-Zuchttauglichkeit, während der Berliner Edelkatzen-Club (BEC) außerdem noch Zwingerbegehungen und Wurfabnahmen durchführt. Die Katzenfreunde Norddeutschland (KFND) gehen noch einen Schritt weiter und verlangen neben einem "CAC" (nicht nur "V"-Bewertung) noch ein tierärztliches Attest für jede Zuchtkatze.

Alina vom Klosterbusch, Siam-Var. blue-point



Na also, es scheint also doch zu gehen: unsere Forderungen sind also doch (zumindest teilweise) realisierbar !


Leider gibt es noch sehr viele Vereine, die auf jegliche Zuchttauglichkeiten verzichten, wodurch großes Übel entsteht. Da besitzt doch jemand einen wunderschönen Kater, leider mit einem deutlichen, unüberseh- bzw. "unüberfühl"-baren Knickschwanz. Die von seinem Verein geforderte Zuchttauglichkeit würde das Tier niemals erhalten. Aber da man ja jederzeit einen neuen Verein finden kann, sucht sich diese Person einen Verein, der auf solchen "Firlefanz" keinen Wert legt... Und so züchtet man neue Generationen kleiner "Knickies", zu deren Eleminierung andere Züchter Jahrzehnte lang gebraucht haben. Gefragt sind hier die Vereine, denn kann man es wirklich einem einzelnen übelnehmen, den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen ?  Denn leider reagieren viele erst, wenn Sie Vorschriften zu erfüllen haben - eigene Vernunft sind sie nicht fähig aufzubringen.


Wir hoffen, dass Sie sich weiterhin (hoffentlich ebenso kritisch wie wir) mit dieser Problematik ausandersetzen und uns an Ihren Gedanken teilhaben lassen werden.
Wähnen Sie sich nicht zu sicher, glauben Sie ja nicht nicht, dass Sie nichts mehr von uns hören werden. Wir werden weiterhin die Augen offen halten, intensiv darüber nachdenken und diskutieren sowie bei Gelegheit veröffentlichen. Dass wir dabei etwas sarKATZisch erscheinen, möge man uns verzeihen.

Im übrigen sind wir nicht nur blanke "Schaumschläger": in unseren eh' schon gut gefüllten Haushalten leben inzwischen ein "entsorgter" Kater und ein "entsorgter" Hund (natürlich mit Tätowierung im Ohr und Chip im Nacken).




© Copyright by Petra Danker / Christoph Riedel 1997
mit freundlicher Genehmigung für die
Katzenfreunde Norddeutschland
Der entsorgte Hund (Charlene) und Elvis Aaron vom Klosterbusch, Abessinier sorrel



Vielen lieben Dank an mein Schwesterchen Petra Danker für das Bereitstellen der Fotos auf unserer HP !