Grundfarben - nofretetes-katzen.de

Die Grundfarben:


Bevor die Genetik der Grundfarben erklärt wird, muss man wissen, was Genetik überhaupt bedeutet. Die Genetik ist die Lehre von der Vererbung. Sie ist ein Modell, das es einem ermöglicht, vorherzusagen, welche Jungtiere bei welcher Verpaarung geboren werden können bzw. wie die Eltern von bestimmten Jungtieren  ausgesehen haben können. Anhand des Konjunktivs kann man schon verstehen, dass die Genetik etwas mit Wahrscheinlichkeitsmodellen zu tun hat.


Anzumerken ist, dass die Mendelīschen Regeln vieles, sehr vieles, aber nicht alles erklären können. Die Mendelīschen Regeln sind halt nur ein Modell. Modell, was ist denn das ?  könnten Sie sich jetzt fragen; also dann ein Beispiel: nehmen wir einmal einen Baum, sehen Sie ihn ?  Jetzt möchten Sie eine genaue Beschreibung geben. Sie könnten ihn zum Beispiel fotografieren, dann haben Sie ein Modell von ihm angefertigt. Gut, jetzt haben wir ein Foto, ein Modell, aber das spiegelt nicht den gesamten Sachverhalt wieder. Denn was ist mit der Mandarin Fawn-Torbie-Blotched-Silver, die hinter dem Baum vor einem Mauseloch sitzt ?  Ja, die haben wir nicht auf dem Foto; deshalb nehmen wir eine Super-8-Kamera und gehen um den Baum herum, dann haben wir unsere Katze mit auf dem Bild. Unser Modell müssen wir aber noch weiter verfeinern, da wir nun das Zwitschern der Vögel auf dem Baum nicht hören können. Eine Abhilfe wäre eine Videokamera, mit der wir ein neues Modell ( Video statt Foto ) erstellen würden. Tja, was aber, wenn wir nun das riechen wollen, was der Cinnamon-Silver-Ticked Mandarin-Kater täglich an den Baum spritzt ?  Dann haben wir wirkliche Probleme mit unseren Modellen und sind an dessen Grenze gestoßen. Auf solche Grenzen stoßen unseres Wissens nach die Mendelīschen Regeln nur bei der Erklärung von Mutationen und Polygenien !


Dieses Mal soll aber nicht über Mutation oder Polygenie, sondern über die Grundfarben berichtet werden. Also nun ein anderes Modell: Jede Katze wird nach einem "Bauplan gebaut", diesen Bauplan nennt man den Genotyp; wie die Katze dann im Endeffekt aussieht, nennt man "Phänotyp". Durch jeden Bauplan ( "Genotyp" ) weiß man, wie die Katze aussieht ( "Phänotyp" ) - andersherum geht das leider nicht !


Jedes Kätzchen erhält sowohl von der Mutter als auch vom Vater für jedes einzelne Merkmal genau ein Teil der Bauanleitung, mit anderen Worten: jedes Kätzchen hat für jedes Merkmal zwei Bauplanteile ( die sogenannten "Gene" ), nämlich eins vom Vater und eins von der Mutter. Wenn dieses Kätzchen erwachsen ist und selbst Kinder bekommt, gibt es jedem seiner Nachkommen genau eins von den Genen weiter, welches von seinen beiden, das weiß man nicht !


Tja, ganz einfach ist es mit der Genetik nun doch nicht, da es zwei unterschiedliche Vererbungsmöglichkeiten gibt. Nehmen wir eine schokoladenfarbene Katze und verpaaren sie mit einer lavenderfarbenen. Die Jungtiere sind dann schokoladenbraun und/oder lavender. Auf der anderen Seite sind bei der Verpaarung einer schwarzen Katze mit einem roten Kater alle weiblichen Jungtiere schwarz-rot-gesprenkelt, dieses nennt man Tortie oder Schildpatt. Den ersten Fall nennt man "dominant-rezessiven Erbgang" da ein Merkmal ein anderes im Phänotyp unterdrücken kann. Den anderen Fall nennt man "intermediären Erbgang", da die Jungtiere die Merkmaler beider Eltern zugleich zeigen. Bis auf zwei Fälle ( die Rotserie und die Tonkanesen-Farbe ) sind alle Erbgänge in der Katzenzucht dominant-rezessiv.


Der intermediäre Erbgang:
( Beide Merkmale werden zugleich gezeigt )
Verpaart man einen rotfarbenen Kater mit einer schwarzen Kätzin, so sind alle weiblichen Jungtiere schildpatt, das sind rot-schwarz-gescheckte Mädchen.
Der dominant-rezessive Erbgang:
(Nur ein Merkmal wird gezeigt, das andere wird unterdrückt)
Verpaart man zwei langhaarige Katzen miteinander, so sind alle Jungtiere langhaarig; verpaart man hingegen zwei kurzhaarige Katzen miteinander, so kann ein Teil der Jungtiere langhaarig sein, der Rest wird kurzhaarig sein.
Nun zu den Merkmalen der Grundfarben: Perser-Züchter wissen, dass es vier Grundfarben gibt: Schwarz, Blau, Schokoladenbraun und Lavender ( = Lilac, das ist ein Hellgrau mit einem rosafarbenen Schimmer ). Diese vier Farben werden nicht durch ein Gen, sondern durch zwei beschrieben, dem "Schwarz-Braun-Gen" ( man benutzt ein B für Black bzw. Schwarz und ein b für Chocolate ) und dem Verdünnungsgen ( D für unverdünnt und d für verdünnt - vom englischen Wort "dilute" = Verdünnung abgeleitet ).
Genetisch sehen diese Farben wie folgt aus:


  Black:        B_ - D_                                            B_ kann BB oder Bb sein
  Blue:         B_ - dd    (Verdünnung von Black)     D_ kann DD oder Dd sein
  Chocolate:  bb - D_
  Lilac:          bb - dd    (Verdünnung von Chocolate)


Der tiefe Strich _ heißt, dass es für das Aussehen ( "Phänotyp" ) egal ist, was dort sonst noch steht, da der große Buchstabe dominant gegenüber dem kleinen ist. Also ist Schwarz gegenüber Chocolate dominant, genau so wie Verdünnung rezessiv gegenüber Unverdünnt ist !
Lassen wir Katzen "züchterisch arbeiten", wir verpaaren zwei unverdünnte Tiere, die beide Verdünnung tragen:
Mit dieser Skizze ist man in der Lage, die Wahrscheinlichkeit des Auftauchens der jeweiligen Merkmale anzugeben: unverdünnte Jungtiere kommen zu 3/4 = 75 % vor, Verdünnte zu 1/4 = 25 %.


Allerdings kann man noch zusätzlich feststellen:
Rezessive Gene werden nur dann optisch gezeigt, wenn sie reinerbig vorliegen !


Verpaaren wir nun eine reinerbig unverdünnte Katze mit einer verdünnten:
Dann können wir auch noch feststellen:
Werden von einer Katze dominante Gene gezeigt, so muss wenigstens eines der Eltern dieses Gen getragen  - also gezeigt - haben !


Natürlich gilt ferner noch:
Bei einer Verpaarung einer Katze, die ein rezessives Gen zeigt, mit einer x-beliebigen anderen müssen alle Jungtiere dieses Gen zumindest tragen, wenn nicht sogar zeigen!


Die Skizzen, die wir bisher benutzt haben, waren sehr schön, aber nur für die Kombination eines Genes zu gebrauchen. Da wir ja für die Beschreibung der Grundfarben mit zwei Genen arbeiten müssen, werden sogenannte Verpaarungstabellen eingeführt. Dazu werden alle möglichen Genkombinationen in eine Spalte (bzw. Zeile) eingetragen und dann mit der anderen kombiniert.
Die möglichen Genkombinationen für eine schwarze Katze, die sowohl Verdünnung als auch Chocolate trägt (also: Bb - Dd ist), sind: 1.) B - D, 2.) B - d, 3.) b - D und 4.) b - d. Verpaaren wir nun genau solche Katzen miteinander:
Nun muss aber erwähnt werden, was Abessinier- bzw. Siam-Züchtern ( und seit dem Jahre 2003 auch den BKH-Züchtern ) schon aufgefallen sein dürfte: es gibt nicht nur vier, sondern sogar sechs Grundfarben. Zu den vier bereits beschriebenen kommen noch das Zimtbraun ( Cinnamon bzw. bei Abessinier ist es das Sorrel) und dessen Verdünnung Fawn ( caramel-farben ). Das Cinnamon ist eine dritte Möglichkeit des "Schwarz-Braun-Genes" ( ein drittes Allel ) und wird mit b(l) beschrieben ( wird aus dem Englischen "brown-light" = hellbraun abgeleitet ). Das Cinnamon b(l) ist rezessiv zu beiden anderen Genmöglichkeiten. Also gibt es die Grundfarben:




  Black:         B_ - D_                                                 B_ kann BB oder Bb sein
  Blue:         B_ - dd        (Verdünnung von Black)       D_ kann DD oder Dd sein
  Chocolate:  bb - D_
  Lilac:          bb - dd        (Verdünnung von Chocolate)
  Cinnamon:  b(l)b(l) - D_
  Fawn:         b(l)b(l) - dd  (Verdünnung von Cinnamon)