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Ein gelungenes Experiment
von Petra Danker, 1996


Alles begann im Februar 1992: obwohl ich ein überzeugter Siam / OKH-Fan und -Züchter war, verlor ich mein Herz an eine Abessinier-Schönheit. Eigentlich wollte ich bei der Aby-Züchterin nur ein Aquarium erstehen - es blieb aber nicht dabei...
Obwohl - oder gerade weil - ich keine Ahnung vom Aby-Standart hatte, mußte ich das Aby-Mädchen haben: es war klein, zart und bestand nur aus zwei riesigen Ohren ! ( Ja, ich bin ein Ohren-Fan, ich gebe es zu ! ) Und dann das Wesen, dieses fast schon brutale Geschmuse: Wer eine Aby kennt, weiß, dass in puncto Liebesbezeugungen unsere Orientalen dagegen coole, zurückhaltende Zeitgenossen sind !!  Siamesen schmeicheln sich ein, Aby's zwingen einem ihre Liebe auf, ob man will oder nicht !  Larissa, fortan nur noch Larry genannt, zog bei uns ein.

Larissa de la Cybel é (genannt "Larry"), Abessinier sorrel, Ivan's Mama
Chianti Classico vom Klosterbusch (genannt "Feivel"), Siam Red-Tabby-Point: Ivan's Papa

Obwohl die Züchterin sagte, Larry sei für eine Aby zu zart und "spitzköpfig", stellte ich sie aus. Im Laufe ihrer Ausstellungskarriere sammelte Larry jedoch einen Best-in-Show und sogar Best-of-Best-Pokale nach dem anderen - die Richter lobten ihr geradezu orientalisches Aussehen. Im Juli 1993 bekam Larry dann zwei Söhne von einem blauen Aby-Kater, davon einer, der nicht das typische, gebogene Nasenlinien-Profil wie seine Eltern aufwies, sondern ein ziemlich gerades orientalisches !
Nachdem ich nun verschiedene Berichte über die Entstehung der Farben Cinnamon und Fawn bei Orientalen durch die Einkreuzungen von Aby's gelesen hatte, wuchs mein Wunsch, dieses zu wiederholen, zumal frisches Blut in den oft sehr eng gezogenen Cinnamon-Siam/OKH-Linien nur positiv sein kann !

Ivan vom Klosterbusch (RIEX, F1-Generation)
Ivan vom Klosterbusch (RIEX, F1-Generation)

Also teilte ich mein Vorhaben meinen Verein (BEC e.V.) mit, der dieses Experiment genehmigte !  Da Larrry eine sorrel-farbene (also genetisch cinnamon) Aby ist, brauchte ich "nur" noch einen passenden Cinnamon- oder Träger-Kater. Was lag näher, als meinen Red-Tabby-Point Siam-Kater "Chianti-Classico vom Klosterbusch", genannt "Feivel", der vom Typ her sehr extrem war und durch seine Mutter vielleicht das Cinnanmon-Gen trug, als Paarungspartner zu wählen. Ich war gespannt auf das Ergebnis, vom Typ her versprach ich mir einiges, zumal Larry's Aby-Sohn "Elvis vom Klosterbusch" ein gerades Profil hatte und Feivel ein extremes Tier war. Larry's Wurf am 10.01.1994 war dann in der Tat eine Überraschung: nur ein Baby und dann noch ein Kater !

Ivan vom Klosterbusch (links) und seine Mama Mme. Larissa de la Cybel é (rechts)
Ivan vom Klosterbusch (links) und seine Mama Mme. Larissa de la Cybel é (rechts)

Dabei wollte ich mir ein Mädchen behalten !  Aber er war Cinnamon-Ticked-Tabby !  Feivel mußte also Cinnamon tragen !  "Ivan vom Klosterbusch", so nannten wir ihn, wuchs heran und entwickelte sich prächtig. Eigentlich wollte ich ihn verkaufen, da ich schon einen Kater hatte, und die Verpaarung wiederholen wollte - in der Hoffnung auf ein Mädchen !  Also stellte ich Ivan aus, es gab auch Kaufinteressenten, aber ich zögerte noch, zu sehr war ich von seinem Charme begeistert. Am ersten Tag der Ausstellung erhielt Ivan nur ein SG, der Richter sagte, er sei kein OKH, sondern ein schlechter Aby mit zu langem Kopf und zu geradem Profil. Nun stand es fest: Ich behalte Ivan und zeige, was in ihm steckt !  Mein Trotz wurde schon am nächsten Tage belohnt: am zweiten Tag der selben Ausstellung erhielt Ivan Best-in-Show-3-bis-6-Monate - nicht als Aby - nein, als Orientale - und merkwürdigerweise sogar einstimmig (das Richtergremium war das gleiche wie am Vortag) !
Ich stellte Ivan weiter aus, bis er Champion war; in dieser Zeit wurde er mehrmals Best-in-Variety und Best-in-Show !  Nicht einmal wurde sein Titel einbehalten. Der Ehrlichkeit halber muss ich aber zugegeben, dass Ivan nicht perfekt ist, aber wer ist das schon. Sein Handycap sind seine grün-gelblichen Augen, aber das Problem haben auch andere OKH-Linien ohne fremde Einkreuzungen. Aber je älter er wurde, desto grüner wurden seine Augen, heute mit zweieinhalb Jahren bin ich zufrieden. Einige Züchter, vorallem die, die nicht gerade zu den Genetik-Experten gehören, verhöhnten meinen Ivan als "Saby", was für Siam-ABY-Mix steht. Etwas ärgerte mich dies schon, zumal meine Argumente einfach ignoriert wurden. Die Richter, die Ivan auf Ausstellungen bewerteten, beglückwünschten mich jedoch alle zu meinem Mut und zu dem Resultat !  Eine belgische Richterin, die selbst eine solche Experimental-Zucht betreibt, wollte gar nicht glauben, dass Ivan ein Tier der F1-Generation ist. Sie sagte, dass sie jetzt Tiere der fünften Generation habe, von denen keins im Typ an den von Ivan heranreichte!
Auf solche Kommentare gebe ich natürlich mehr als auf den Spott mancher Züchterkollegen, wobei man nicht alle über einen Kamm scheren darf. Viele wollten Ivan zum Decken oder eine Tochter von ihm. Nun musste Ivan aber zeigen, dass er nicht nur schön, sondern auch noch etwas davon an seine Babies weitergibt. Als seine Braut wählte ich "Chivas vom Klosterbusch", eine Chocolate-Point Siamesin, die Cinnamon trägt. Drei Babies waren das Resultat: eine Siam Chocolate-Point, eine OKH Havana und eine Siam Fawn-Tabby-Point !  Die Havana "Kir Royal vom Klosterbusch" und die Fawn-Tabby-Point "Kelly vom Klosterbusch" behielt ich. Auch die diese beiden "Sabys" der F2-Generation waren schon erfolgreich auf ihren erst vier Ausstellungen.

Kelly vom Klosterbusch (RIEX, F2-Generation)

Kelly wurde insgesamt einmal Rassesieger, war dreimal für Best-in-Show nominiert, von denen sie es auch zweimal bekam. Kir Royal, kurz Kira genannt, war zweimal für Best-in-Show nominiert und verlor jedesmal gegen ihre Schwester - sicher wegen Kelly's seltener Farbe. Kira selbst hat ein wunderbares kastanienbraun, ist überall vollständig durchgefärbt und nahezu frei von Geisterzeichnung ! (Vielleicht weil sie das Ticked-Tabby trägt, das allerdings wegen des Non-Agoutis nicht gezeigt werden kann?)
Auch mein Bruder Christoph Riedel nahm "Ivanovic" (so wird er von ihm liebevoll genannt) zum Decken für seine Katze "Anabel-Ly of Fuzzy Kitten", die ebenfalls eine Chocolate-Point Siamesin ist. Hier waren das Ergebnis eine wunderschöne Siam Chocolate-Tabby-Point ("Batida of Fuzzy Kitten" und eine exzellent schokoladenbraun getupfte Orientalin namens "Bellouisa of Fuzzy Kitten".

Batita of Fuzzy Kitten (RIEX, F2-Generation)
Belouisa (links) und Batita of Fuzzy Kitten (RIEX, F2-Generation)

Was alle Aby-Nachkommen aber so unwiderstehlich macht, ist ihr Wesen: sie stupsen und schmusen viel intensiver als reine Siamesen, halt Abymäßig !
Abschließend möchte ich sagen, dass ich nur Positives durch die Aby-Einkreuzung erfahren habe und da dies alles im Experimental-Stammbaum der Nachfahren festgehalten wurde, ist alles nachvollziehbar.
Unrichtig sind unerlaubte oder heimliche Einkreuzungen in Rassen ohne Stammbaum-Vermerke. In solchen Fällen würde sicher so mancher Züchter, der mit einem solchen Tier weiterzüchtet ohne über seine wirklichen Ahnen informiert zu sein, sein blaues Wunder erleben, wenn plötzlich unerwartete rezessive Merkmale auftauchen würden, die anhand der Papiere (da gefälscht !) unerklärbar sind. So etwas ist natürlich Betrug und daher generell zu verurteilen !
Jedoch die überlegte stammbaumvermerkte Blutauffrischung könnte sicher so mancher inzuchtgeschädigten Rasse mehr helfen als das "auf-Teufel-komm-Raus-Züchten" mit immer extremeren Tieren...


© Copyright by Petra Danker, 1996







Anmerkungen zum Experiment
von Christoph Riedel, 2002


Die Experimentalzucht von Aby's mit Orientalen war aus züchterischer Sicht eigentlich sehr gut gelungen, zumal oder gerade weil hier keine neue Farbe erschaffen wurde, da nach dem ältesten Dachverband, dem britischen GCCF (Governing Council of the Cat Fancy), die Farben Cinnamon und Fawn bei den Siamesen und Orientalen schon seit vielen Jahren anerkannt waren. Wenn nun Züchter anderer Rassen diesen Artikel meiner Schwester Petra Danker als Rechtfertigung hernehmen, um ihre Abessinier/Somali-Outcrossings in Waldkatzen, Birma o. ä. zu rechtfertigen, so kann man nur Kopfschütteln. Welche Kurzhaar-Rasse, die schlank und elegant ist, einen langen keilförmigen Schädel mit gerader Nasenlinie hat, gibt es denn in Cinnamon ticked mit Tabby-Streifen an den Beinen, am Schwanz und auf der Brust (geschlossenes Halsband !) ?  Nur die Orientalisch Kurzhaar ! Warum denn bitte dürfen Abessinier nach CFA (Cat Fanciers of America) nur noch bis 2004 bei den den Ocicats eingekreuzt werden ?  Weil es Cinnamon dort schon gibt und der Genpool durch Inzucht zu klein wäre !  Wenn man nun aber eine halblanghaarige Katze, die einen gemäßigten Typ hat (also weder orientalisch spitz, noch britisch rund), wie soll man diese dann bitte von einer Somali unterscheiden ?  Höchstens, weil Streifen auf Brust/Beine/Schwanz sind, aber das gibt es bei einigen Somalis (leider) auch !   "Also meine Katze hat Streifen, also ist sie eine Sibirische, die, die ansonsten völlig gleich aussieht, ist aber eine Somali..."
Anmerkung: unser reinrassiger Abessinier-Kater hat auch Streifen auf der Brust, obwohl er laut Standard keine haben sollte. Zum Glück ist sein "Halsband" nicht geschlossen !

Nofretete's Apollo, Aby-var wildfarben

Zurück zum "Danker'schen Experiment": Im Jahre 1993 gingen nahezu alle Cinnamon/Fawn-Linien der Orientalen Mitteleuropas auf den Kater "Troopingcolour Antiquity" (OKH cinnamon) zurück, der aber leider nicht alt wurde. Er starb im Alter von drei oder vier Jahren an Krebs; meine Schwester hatte eine Tochter ("Ch. Santana von der alten Weide", OKH-var lilac-spotted-torbie; sie wurde nur "Pauline" genannt) von ihm, die im Alter von neun Jahren völlig verkrebst eingschläfert werden musste. Pauline war Ivan's Oma, aber 1994 war sie noch "kern-gesund". Auch Ivan's Vater (Pauline's Sohn) wurde dieses Jahr wegen eines Krebsgeschwüres operiert, zum Glück lebt "Feivel" noch ganz gut, aber mit Krebs ist nicht zu spaßen !  
Die Angst vor dem Krebs war der eigentliche Grund, weshalb meine Schwester den Genpool des Cinnamon bei den Siamesen und Orientalen erweitern wollte; denn durch ständige Inzuchtverpaarungen hätte man dieses bestimmt noch verstärkt.
Durch Ivan bekamen wir dann auch wunderschöne F2-Tiere, die eigentlich für eine weitere Zucht eingesetzt werden sollten. Allerdings bekam kein Züchter diese Tiere, da erst noch der Typ, der eigentlich schon sehr schön war, gefestigt werden sollte. Ivan hatte bzw. hat als Experimental-OKH schon einen ziemlich schönen Typ, nur seine Augenfarbe hätte intensiver sein können (heute mit seinen acht Jahren sind sie eigentlich ganz gut grün).

Als Abessinier sieht ihn heute niemand mehr an, zu eindeutig sind seine "orientalischen" Einflüsse. Er hat Streifen auf der Brust, an den Beinen und am Schwanz (wie es halt ein OKH haben muss und ein Abessinier nicht haben darf) und seine Farbe ist halt zimtbraunes Cinnamon und nicht dieses orange Sorrel. Schon aus diesem Grunde kann man Ivan nicht mit einer anderen Rasse verwechseln. Er ist ein Orientale - zwar kein super extremes Tier wie sein Vater - aber dennoch ein Orientale. Eine Verwechslung mit einer - zur Zeit existierenden Rasse - ist nicht gegeben.
In fremde "Züchterhände" hätten unserer Meinung nach frühestens Tiere der F3- oder F4-Generation gehen sollen, so dass die "Gefahr der Saby's" (wie die Siam-Abessinier-Mixe verspottet worden waren) für die anderen OKH's klein gehalten worden wäre. Doch eine Zuchtaufgabe aus persönlichen Gründen (Infektion des gesamten Katzenbestandes mit Katzenschnupfen nach einer Ausstellung) verhinderte die Entstehung der F3-Tiere. Somit wurde niemand außer unseren Haushalten mit "Saby's verseucht"...
So schön diese Erfahrungen mit der Experimentalzucht auch waren, einen Wermutstropfen gibt es doch: nicht nur die schöne Zimtfarbe wurde so in die Orientalen hineingebracht bzw. aufgefrischt, nein, leider auch negative Dinge. Im Jahre 2002 musste Larry im Alter von nur 10 Jahren eingeschläfert werden: ihre Nieren hatten total versagt. Der Amyloidose-Verdacht ist gegeben, denn einige, enge Verwandte sind daran bereits nachweislich gestorben. Auch Ivan, der Siam-Aby-Mix muss heute wie auch sein "reinrassiger" Halbbruder "Euro-Ch. Elvis vom Klosterbusch" (Abessinier sorrel) mit Nierendiätfutter leben. Vor 8 Jahren wussten wir noch nichts von Amyloidose, aber heute... ?  Leider kann man bei einem erkrankten Tieren, die also reinerbig das "Amyloidose-Gen" tragen, dies nur durch eine Obduktion dieses nachweisen, also nur am toten Tier diagnostizieren; einen DNS-Test gibt es leider bislang noch nicht. Larry wurde nicht obduziert, da alle uns bekannten Nachfahren bereits kastriert sind und sie ein  "ungeöffnetes Begräbnis verdient" hatte. Da Elvis aber vier Jahre lang bei einer Aby-Züchterin "tätig" war, bevor meine Schwester ihn wieder zu sich nahm und ihm als Kastraten "Gnadenbrot" gewährte, kann es durchaus naoch Nachfahren geben. Aber der Überblick ist leider nicht mehr gegeben... Zum Glück wussten wir 1993/1994 noch nichts davon, denn ansonsten wäre dieses Experiment niemals entstanden und wir hätten niemals Ivan bekommen, ein Kater, der durch seinen Charme alle, wirklich alle begeistert. Dieses Gemüt hat er im übrigen an fast alle seiner Kinder vererbt !  Dennoch: ganz so unkompliziert wie 1994 oder 1996 noch vermutet, ist ein Outcrossing halt doch nicht, man kann sich einige Krankheiten in eine Rasse "hineinkreuzen" !  Zum Glück haben wir die Siamesen und Orientalen anderer Züchter nicht "verseucht", da alles in unseren Haushalten blieb...

"C-Wurf" vom Klosterbusch

Schwierig sind halt genetische Defekte, zumal wenn sie rezessiv vererbt werden. Ähnlich ist die PRA-Degeneration (progressive Retina Atrophie = fortschreitender Netzhautschwund); diese Krankheit ist zum Glück nicht tödlich, die Katzen können halt "nur" blind werden. In der freien Natur wäre dies natürlich ein Todesurteil, im Haushalt zum Glück nicht. Dennoch, stellen Sie sich vor, Sie wären blind, und nur weil "Ihre" Züchter es unterlassen haben, einige vorher Tests durchzuführen bzw. weil sie diese Krankheit verheimlichen !  Ich spreche dieses Problem an, weil meine Verlobte Sandra Uchabowa und ich zwei Katzen (Wurfschwestern) haben, die nachweislich (leider) an PRA erkrankt sind. Die PRA-Degeneration ist eine Erbkrankheit, die rezessiv vererbt wird (siehe auch die Internet-Informationen über gesicherte Erbgänge des DOK-Dortmunder Kreises: http://www.dok-vet.de/bei_katzen.htm). Mit anderen Worten: unsere Katzen haben dieses "PRA-Gen" sowohl vom Muttertier als auch Vater geerbt. Die Mutter  wurde kastriert, die Besitzer der Kinder informiert. Leider aber fungiert der Vater - trotz Wissens um die Töchter - nach wie vor als Zuchtkater...
Das Problem ist nämlich, dass man die PRA-Degeneration nur an einem relativ alten homozygoten Tier, also an einem erkrankten Tier feststellen kann. Auch reicht eine Untersuchung alleine nicht aus, da bei einer "fortschreitender" Erkrankung nun einmal Veränderungen erkannt werden müssen. Die PRA-Degeneration fängt in er Regel erst mit zwei bis sechs Jahren an, sichtbar zu werden. Dies macht diese Erkrankung umso heimtückischer; wenn man sie feststellt, können zum Teil schon Duzende von Nachfahren existieren !  "Trägertiere" bleiben leider durch eine Untersuchung unerkennbar. Dennoch: sollte man durch diverse Verpaarungen einmal mitbekommen, dass ein Tier dies PRA-Gen trägt, so sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass der Besitzer dieses Tier (und sämtliche Jungtiere davon) aus der Zucht nimmt. Da unser Kater schneller war als wir mit dem zweiten Test, haben wir erst die für uns schockierende Nachricht der PRA-Diagnose erhalten, als beide Schwestern schon schwanger waren. Also war uns sofort klar, die Babies gehen "nur" in Liebhaberhände und die Mütter werden umgehend kastriert.

Farina of Webi Schabelle, Somali wildarben

Ist ein direktes Jungtier eines Elternteiles PRA-positiv, so tragen beide Elternteile diese Gen, auch wenn Sie phänotypisch vielleicht PRA-frei sind, so sind sie es genotypisch dennoch nicht, also nicht PRA-frei. Interessant wird das ganze aber, wenn ein Elterteilbesitzer den eindeutigen Befund anzweifelt und ein Obergutachten mit unseren Mädchen anfordern will. Natürlich wären wir dazu bereit, sollten wir mit unseren Katzen nicht weg müssen - und wir dadurch nicht finanziell belastet werden würden. Es sollte auch eine Selbstverständlichkeit sein, dass dann der Besitzer dieses Tieres sich darum kümmert, dass die Besitzer aller Jungtiere informiert werden. Die Jungtiere  wiederum könnten dieses Gen tragen (sie müssen es nicht tun, aber die Wahrscheinlichkeit liegt bei 50%). Dennoch müssen auch diese aus der Zucht herausgenommen werden und als Liebhabertiere fungieren.
Ich zitiere aus dem §11b TschG (siehe auch unter: http://www.verbraucherministerium.de/): "(1) Es ist verboten, Wirbeltiere zu züchten (...), wenn damit gerechnet werden muss, dass bei der Nachzucht, (...) oder deren Nachkommen erblich bedingt Körperteile oder Organe für den artgemäßen Gebrauch fehlen oder untauglich oder umgestaltet sind und hierdurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten. (...)" Mit anderen Worten: wer mit Tieren züchtet, die entweder zu 50% das PRA-Gen tragen (oder aber sogar zu 100% - das man zum Beispiel durch erkrankte Kinder herausgefunden hat), der verstößt eindeutig gegen dieses Gesetz !
Auf der anderen Seite sind unsere Jungtiere auf jeden Fall PRA-Träger, da die Mutter dieses Gen reinerbig besitzt und somit eins an die Babies weitererbt hat !  Aus diesem Grunde haben wir die Babies entwederin Liebhaberhände verkauft bzw. drei selbst behalten, ein Aby-Mädchen hat meine Schwester genommen, da ihre Larry ja wegen des Amyloidose-Verdachts gestorben ist. Einen Kater hat meine Mutter als Liebhabertier zu sich genommen. In allen Stammbäumen ist das Zuchtverbot selbstverständlich eingetragen !

Nofretete's Katzen

Beide Muttertiere sind kastriert, auch unser Kater (der ja laut letztem Test PRA-frei ist) ist kastriert. Die beiden "Jungs", die wir behalten haben, werden mit etwa 6 Monaten kastriert, das eine Mädchen sollte zumindest einmal rollig gewesen sein, bevor wir sie kastrieren lassen.
Noch haben wir bei unseren beiden Mädchen keinerlei Sehbeeinträchtigung bemerken können (die Schmetterlinge im Garten bedauern dieses), aber die PRA schreitet ja leider voran. Hoffen wir nur, dass unsere Mädchen immer die Schmetterlinge sehen können...
Eine Anmerkung haben wir noch zum Outcrossing: eigentlich müssten heute alle Siam-OKH-Züchter, die die Farben Cinnamon und Fawn in ihren Linien haben, ihre Tiere nach dem DOK auf erbliche Augenerkrankungen hin untersuchen lassen !  Im Gesetz nach § 11b TSchG (Qualzucht) bzw. in den Auslegungen der einzelnen Vereine gibt es hier noch haufenweise Lücken für einige Rassen, aber die werden bestimmt bald auch gefüllt werden. Das gleiche gilt selbstverständlich auch für alle andere Rassen, die diese Farben in ihren Stammbäumen vorfinden !  Sollte es irgendwann auch einen Test bezüglich Amyloidose und Patella-Luxation (PL "Heraushüpfen" der Kniescheibe) geben, sollte dies ebenfalls ein Muss für alle Rassen mit den Farben Cinnamon und Fawn sein !
Auch bei Einkreuzungen anderer Rassen in irgendeine andere sollte der jeweilige "Züchter" gewissenhaft mit eventuellen rassebedingten Krankheiten umgehen, wie beispielsweise HD (Hüftgelenksdysplasie), PKD (Polycystic Kidney Disease), HCM (Hypertrophische Kardio-myopathie). Natürlich werden viele wieder sagen: "Wer soll denn diese ganzen Tests nur bezahlen ?" - Dann stelle einfach ganz frech eine Gegenfrage: "Sind Euch das etwa Eure Tiere nicht wert ?  Redet bloß nicht von 'wirtschaftlichen Schäden', denkt an die Gesundheit Eurer Katzen !"


© Copyright by Christoph Riedel, August 2002




Vielen lieben Dank an mein Schwesterchen Petra Danker für das Bereitstellen dieses Berichtes und der Fotos auf unserer HP !